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DGI-Forum Wittenberg 2013 - erstmals in neuer Tagungsstätte

 

In der 1502 gegründeten Universität „Alma Mater Leucorea“ veranstaltetet die DGI vom 17. bis 19. Oktober 2013 in Fortführung der traditionsreichen Oberhofer Kolloquien das erste DGI-Forum Wittenberg. Die Namensänderung trug einerseits der Tatsache Rechnung, dass Oberhof schon seit langem nicht mehr der Veranstaltungsort dieses zweijährlichen Treffpunkts von Informationsvermittlern und Wissenschaftlern war, sie soll andererseits aber auch den Charakter dieser Fachtagung zu Information und Kommunikation als Plattform für einen offenen wissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Diskurs rund um das vielschichtige Thema „Information und Wissen“ spiegeln. Das Thema Entscheidungsfindung zwischen Information, Intuition und Manipulation bot den Rahmen für elaborierte akademische Vorträge, informelle Diskussionen, spontane Erkenntnisse sowie praktische und überraschende Einblicke in individuelle und gesellschaftliche Verhaltensweisen. Mit Prof. Böhmer, dem beliebten ehemaligen Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, hatte die Veranstaltung gleich am ersten Tag einen prominenten Gastredner. Eine unterhaltsame Stadtführung brachte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zwischendurch die Stadt Wittenberg mit ihrer über 800-jährigen Geschichte und den dort wirkenden Geistesgrößen Luther und Melanchton sowie die Zeugnisse des berühmten Malers Lucas Cranach, des Älteren, der viele Jahre Bürgermeister von Wittenberg war, nahe.

Stefan Schumacher gab einen Einblick in die psychologischen Grundlagen des Social Engineering, eine effiziente Angriffsstrategie in der Informationstechnik, die nicht die Technik, sondern den Mensch bzw. sein Verhalten angreift. Der Landesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit des Landes Sachsen-Anhalt, Dr. Harald von Bose betonte, dass ohne die flächendeckende Vermittlung von Medien- und Informationskompetenz und eine allgemein akzeptierte Online-Ethik die moderne Überwachungsgesellschaft die Freiheitsidee nicht bewahren könne. Wie wir uns durch Sprachhülsen selbst täuschen, erläuterte der Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Gerd Antos. Durch den Gebrauch von „Teflon-Wörter“ können wir nicht nur bei Entscheidungen sehr schnell „zum Opfer unserer eigenen Propaganda“ werden. Professorin Dr. Gabriele Meyer zeigte sehr anschaulich, wie schnell fehlerhafte Interpretationen klinischer Studienergebnisse entstehen können, aber auch wie Verbraucher- und Patienteninformationsschriften Entscheidung beeinflussen. Evidenzbasierte Patienteninformation (EBPI) soll zu einer neuen Kultur der Informationsvermittlung führen und gute Entscheidungen in Gesundheitsfragen fördern. Welche heimliche Macht algorithmischen Suchmaschinen zukommt, wenn wir uns bei Entscheidungen vorbehaltlos auf die präsentierten Ergebnislisten stützen, zeigte Prof. Dr. Dirk Lewandowski. Dies gilt vor allem für Kinder und Menschen, die nicht professionell, sondern eher naiv mit Suchmaschinen umgehen und nicht auf Anhieb erkennen, wo werbliche Informationen eingestreut sind und wie durch das Design der Ergebnisseiten ihr Blick gelenkt wird. Dr. Matthias Deliano räumte mit der Vorstellung auf, dass das Gehirn eine Art Computer sei. Untersuchungen zeigen vielmehr, dass sich die menschliche und tierische Entscheidungsfindung den Vorhersagen rationaler Entscheidungstheorien entzieht. Kognitives Verhalten ist hoch individuell, kontextsensitiv, emotional, intuitiv und sozial. Um die Einflussnahme auf politische Entscheidungen und die Bemühungen um Transparenz ging es im Vortrag des Journalisten Jochen Bäumel von Transparency International. Politische Kommunikation muss öffentlich und überprüfbar sein, so seine Forderung. Dr. Gregor Mayntz, Vorsitzender der Bundespressekonferenz (BPK), gab einen Überblick über Geschichte und Funktion der BPK, einen eingetragenen Verein, in dem sich die Hauptstadtkorrespondenten selbst organisiert haben. Nicht sie sind die Gäste der Akteure in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, sondern sie bestimmen als Gastgeber die Spielregeln. Prof. Dr. Thorsten Faas setzte sich mit dem Fernsehduell zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück auseinander. Durch real-time-response-Messungen und eine Panelbefragung wurde untersucht, wie das Streitgespräch während der Sendung und in einer Nachbetrachtung die Einstellung zu den beiden Personen verändert hat. Prof. Dr. Thomas von Winter konfrontierte vier populäre Thesen über Lobbying mit politikwissenschaftlichen Erkenntnissen über die Bedingungen politischer Einflussnahme von Interessengruppen. Lobbyingerfolg stellt sich nach Meinung des Referenten nur unter sehr günstigen und somit selten gegebenen situativen Bedingungen ein. Prof. Dr. Matthias Ballod zog für die Veranstalter ein positives Fazit der Tagung, die allerdings mit etwa 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmern weit weniger Zulauf gefunden hatte als erhofft und angesichts des hochkarätigen Programms auch erwartet. Das nächste DGI-Forum Wittenberg soll im Herbst 2015 erneut in dem historischen, allen Ansprüchen einer modernen Tagungsstätte entsprechenden Ambiente der Leucorea stattfinden. Thematische Anregungen nimmt die DGI gerne unter Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. entgegen.